Freiheit und Verlust

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    • Nein, so etwas hatte er noch nie zuvor gesehen. Riesige, grauenerregende Wesen brachen durch die Stadtmauer, die der Bevölkerung Schutz und Sicherheit versprochen hatte. Die Wachen, tapfere Soldaten, die es wagten, sich dem übermächtigen Feind entgegenzustellen, merkten schnell, dass ihre Waffen nutzlos waren, ihre Magie nicht wirkte.
      Vladar hatte gehört, dass es ratsam sei, Feuer mit Feuer zu bekämpfen. Aber auch er hatte keinen Erfolg: Weder konnte er diese lebend gewordenen Schatten kontrollieren, noch vermochten seine eigenen Schatten diesen Gegnern etwas anzuhaben. Vladar versuchte erst gar nicht, sie mit seiner Waffe anzugreifen, es wäre sinnlos, das wusste er.
      Blut... Um den Vampir herum breitete sich der Tod und mit ihm der Geruch vom Blut der grausam hingerichteten Opfer aus. Er reagierte nicht darauf, weil er satt war.
      Der Befehl zum Rückzug war nicht gegeben worden, aber die meisten Kämpfer waren ohnehin schon auf der Flucht. Eine Frau, ein schreiendes Kleinkind im Arm, rannte an ihm vorbei, während direkt vor ihm eine andere Frau von einer der Kreaturen zu Boden gerissen wurde.
      Er musste fort von hier, auf der Stelle! Diese Stadt war verloren. Hier gab es nichts mehr zu retten.
      Vladar drehte sich um und wollte davon rennen, erst einmal weg von hier, raus aus dieser Stadt. Da bemerkte er den Gaukler aus dem Schankraum von eben. Auch er floh und doch... Vladar war sich sicher, dass seine Flucht nicht so kopflos wirkte wie der anderen Menschen hier. Er schien zu wissen was er tat, seltsam. Er rannte auch nicht wie der Rest her, sondern ging ruhigen Schrittes davon.
      Seine Erfahrung riet dem Vampir, dass es die bessere Wahl war, dem Gaukler zu folgen, statt auf eigene Faust den Ausgang zu suchen. Außerdem war die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Mann sich hier besser auskannte als er, sehr hoch, war er doch gerade erst angekommen, zum ersten Mal hier und hatte bisher noch keine Karte dieser Stadt gesehen. Wobei er darauf in Zukunft vermutlich auch verzichten können würde.
      Der Gaukler schien nicht zu versuchen, unentdeckt zu bleiben, also folgte der in seinen Umhang gehüllte Untote ihm, wobei er ebenfalls keine Anstalten machte, dies zu verheimlichen.
    • Die Situation war schlimmer, als er gedacht hatte. Pilarius hatten sich inzwischen einige anschließen wollen. Dann brach plötzlich die Wand neben ihm ein.
      Ein Hagel aus zerbröseltem Mörtel und Steinen ging neben ihm nieder und hüllte ihn kurz in eine Staubwolke, bevor er wieder etwas sehen konnte. Da war sie.
      Es gab weniger Leute, die er jetzt gerade nicht sehen wollte. Die Frau, die da gerade einen Dämonen durch die Wand geschlagen hatte. Er war eine Mischung aus Zyklop und etwas das irgendwie fischig wirkte. Doch die Lady im Umhang hatte kein Auge für ihn übrig, denn sie war mit einem weiteren Dämonen im Kampf, der sie mit einem dreigliedrigen, Dornenbesetzten Arm nach ihr schlug. Es war kaum zu erkennen, wie sie plötzlich hinter dem Dämon gelandet war. Ihr Stilet stieß nach vorne und durchbohrte den Dämonen. Der Boden donnerte, als das Monster umkippte. Dann plötzlich durchbohrte ihn ihr stechender Blick.
      "Du!"

      Ihr Herz pochte als wolle es ihre Rippen durchbrechen und selbst gegen die Dämonen kämpfen. Sie waren schwere Gegner. Doch nachdem der forerst letzte vor ihr niederging spürte sie die Präsenz eines ihr nur all zu bekannten Menschen. Sofort fixierte sie ihn. "Du!", ihr Herz setzte kurz aus. Er sah noch immer so aus wie damals. Dann bemerkte sie die Gestalten hinter ihm. Da war der Zwerg und der Junge! Sie versuchte sich nicht anmerken zu lassen, worum es ihr ging. Dann, ohne weitere Vorwarnung schnellte ihre Hand vor und entlies eine Salve Messer. Von den sieben Messern ziehlten vier zwischen den anderen Gestalten hindurch, zwei weitere würden ihre Ziele komplett verfehlen, doch das eine ziehlte genau auf das Herz des Jungen.

      Er hatte sie schneller durschaut, als sie ihre Messer werfen konnte. Trotzedem waren ihm ihre Absichten erst im letzten Moment klar. Sein Brotschieber machte ein pfeifendes Geräusch, dann hörte man einen dumpfen Aufschlag. Er hatte das Messer abgefangen.
      "Er ist es also. Ich werde ihn dich nicht töten lassen."
      Seine Stimme klang nicht der Situation angemessen. Sie war so ruhig, als wäre die Stadt um sie herum nicht in Flammen und voll mit sterbenden Menschen und Dämonen, die sich an ihrem Fleisch gütlich taten. Fast, als täte es ihm leid.

      Der Junge war perplex. Noch immer stütze er sich auf den Zwerg. "Wir müssen hier weg!", seine Stimme brach fast, trotzdem presste er die Worte hervor. Ohne zu warten, wie der Zwerg reagieren würde ließ er ihn los und hüpfte, die blendenden Schmerzen in seinem Stumpf ignorierend vorwärts. Weg von den Dämonen, Weg von dem Sterben, weg von der Frau. Ihm war klar, dass sein Leben noch ein ganzes Stück mehr in Gefahr war, als das der anderen.
    • Der Mann schien zu wissen, was er tat. Darum folgten ihm nicht bloß Menschen, sondern auch der Vampir.
      Um sie herum war nur Tod und Zerstörung; Leichen an jeder Ecke, laute Schreie, voller Angst und Panik. Kämpfte überhaupt noch jemand oder war jeder nur damit beschäftigt, sich selbst zu retten?
      Der Gaukler stoppte, als neben ihnen eine Mauer zerbarst. Eine Frau kämpfte sich durch die Gegner. Vladar ging außen an den Diskutierenden vorbei und wollte etwas abseits warten, dass sie ihren Weg hoffentlich fortsetzen würden, als plötzlich ein einbeiniger Junge auf ihn zu hüpfte. Irritiert starrte er das Kind an. War es nicht gerade noch von einem Zwerg getragen worden? Er hatte die zwei kurz gesehen. Wollte er jetzt so fliehen? Weit würde er so wohl kaum kommen. Der Gaukler schien sich mit der Kämpferin um ihn zu streiten, aber warum? War er wertvoll?
      Vladar war satt; er hatte kein Interesse daran, den Jungen als Beute anzusehen. Dieser war kaum zwei Meter von ihm e
      ntfernt, als er strauchelte, was zu erwarten gewesen war.
      Vladar streckte rasch die Arme aus. Es war eine reine Reflexhandlung, ungeplant und ohne, dass er etwas dagegen hätte tun können. Für den Augenblick hielt er einen schwerverletzten Jungen in den Armen. Sekunden, in denen der Vampir ihn begutachtete, schienen zu Minuten zu werden. Unschlüssig starrte er ihn an.
    • Mein Blick landet auf der armselig wirkenden Erscheinung des eben noch so stolz wirkenden Magiers. Der Tod um mich herum weckt alte Erinnerungen aus vergangener Zeit. Dämonen die es noch zu bekämpfen gilt, die jedoch gerade in mein Herz gefroren sind. Noch lasse ich sie nicht tauen, noch gilt es darum Leben zu retten und das Leben dieses Mannes ist gerade dabei zu verwirken.
      Ob er es verdient hat oder nicht frage ich mich in diesem Augenblick nicht mehr. Sollte jemand sterben wenn er einen anderen töten möchte? Wäre das Gerecht? All diese Sachen interessieren mich nicht, mit einigen wenigen Schritten laufe ich zu ihm, sehe ihn an und hebe seinen Arm, und über meine Schultern. Ich knie neben den leicht kauernden Körper. "Bleib wach", höre ich mich sagen und stehe dann langsam auf, trage sein Gewicht und nehme seine Last auf mich.
      Dann suche ich nach einem Ausgang, versuche zusammen mit dem Mann zu fliehen. Mehr als einen kann ich nicht nehmen. Der Gedanke schmerzt mich, aber wie soll ich die anderen retten? Es gibt wenig Möglichkeiten. Sie müssen sich gegenseitig helfen.
    • Seine Kraft hatte ihn verlassen. Fast wäre er gestürzt, hätte ihn nicht jemand festgehalten. Er konnte spüren wie ihm jemand auf die Beine half, doch nicht wer. Seine Sicht verschwamm und er drohte abzudriften in die Dunkelheit. Das Erschaffen von Pflanzen war so viel weniger schwierig. Eine menschliche Hand hingegen war komplex und ungewohnt. Es hatte zu viel Kraft gekostet.
      Betäubt und gestützt lies er sich von seiner Retterin leiten. Seine Kraft würde bald wieder zu ihm kommen, da war er sich sicher.
    • Ich versuche den Dämonen und was auch immer zu entkommen. Aber ihn so humpeln zu lassen hilft nicht wirklich. So hebe ich ihn kurzerhand einem Mehlsack gleich über meine Schultern und laufe angestrengt los. Lange werde ich das wohl nicht aushalten aber einhundert Meter sollte ich so schon schaffen. Schwitzend und schwert atmend polter ich los und hoffe einfach uns in Sicherheit zu bringen.
    • Obwohl die unerwartete Schulterung ihm die Luft aus den Lungen trieb, brachte der Schmerz auch seine Geister zurück. Gierig griff er nach dem unterirdische Reservoir der Magie und tauchte ein in diesen scheinbar unendlichen See der Macht. Er hatt so viel gegeben. Es war an der Zeit sich zu bedienen.
      Mit jedem gierigen Atemzug den er tat stellte sich seine Gesundheit mehr und mehr her. Die Ranken, die bereits begonnen hatten zu vertrocknen erfüllten sich wieder mit Leben und Magie.
      Ihr könnt mich nun herunterlassen. Seine Stimme war wieder kraftvoll.
    • Nun doch etwas schwerer atmend bleibe ich stehen und lasse den Mann vorsichtig herunter. Leichte Schweißtropfen sammeln sich auf der hellen Haut meiner Stirn. Mit einer schnellen Handbewegung wische ich sie fort und sehe dann zurück. Dort sind noch Menschen. Sie brauchen sicherlich Hilfe. "Ruht Euch aus", bitte ich den Mann und laufe dann zurück zum Chaos um dort weiter zu helfen. Ein wenig mehr wird noch funktionieren. Ein Leben... vielleicht ein zweites.
    • Ein Donnern ertönte, das den Jungen aus seiner kurzzeitigen Trance erweckte, in die er gefallen war. "Hilf mir.", sein Sprechen war leise geworden, fast geflüstert. Er konnte nicht mehr weiter. Sein Leben war in höchster Gefahr, mehr noch als das der anderen, trotzdem bittete er jetzt diesen Mann um Hilfe, den er nicht kannte. Irgendetwas an dem Mann machte ihm sogar Angst.

      Inzwischen war der Kampf zwischen den ungleichen Gegnern ausgebrochen. Die Schwarze Frau war zu einem wilden Angriff übergegangen, ihr Stilet wirbelte nur so durch die Luft und suchte einen Weg vorbei an dem wirbelnden Brotschieber des Narren. Schmutzige Tricks waren offenbar Teil ihres Kampfstiles, doch bisher war der Narr nicht unterlegen, wenn auch scheinbar in die Defensive gedrängt. "Er muss sterben! Es ist der einzige Weg!", die Stimme der Frau kam zischend unter der Kaputze hervor. "Siehst du nicht das Leid, das er bringt? Pilarius!"
    • Helfen... Kurz war er durch den Kampf des Gauklers mit der Frau abgelenkt gewesen, jetzt sah er wieder zu dem Jungen, zögernd, unschlüssig. Wieso war er nur so wichtig? Hier lagen so viele, die gefallen waren; der Tod war überall. Der eiserne Geruch von Blut lag schwer in der Luft.
      Diese Schreie... Schreie von scheinbar überall her, Schreie, ausgestoßen aus tiefster Angst.
      Zerstörung... Schon bald würde hier kein Stein mehr auf dem anderen stehen. Er musste fort von hier.
      Doch der Spaßmacher würde nicht ohne den verletzten Jungen gehen, soviel war klar. Und es schien, als würde er diesen bis zum bitteren Ende verteidigen. Wie lange würde der Kampf noch dauern? Was, wenn der, der sie hinausführen wollte, nicht überleben würde? Es blieb eh keine Zeit mehr...
      Er würde ihre Beute davontragen. Mühelos hob der Vampir den Jungen hoch. Wenn das alles war...

      "Wir gehen", erklärte er ihm ruhig, ehe er zu dem Gaukler sah. Sollte er die Kämpferin ruhig aufhalten. Er würde versuchen, diese Stadt zu verlassen.
      "Kennst du dich zufällig hier aus?", fragte er den Jungen, als er sich in Bewegung setzte. Vielleicht war die Stadtmauer inzwischen eh zu zerstört, um als Hindernis zu gelten, womit sich die Suche nach einem Stadttor erübrigen würde.
    • Überall lagen bereits Leichen, die durch herabstürzende Trümmer erschlagen oder zu Tode getrampelt worden waren. Sie waren tot, doch es war immer noch Energie in Ihnen. Die Ranken fuhren in den Boden und rund um ihn herum begannen sich Wurzeln auszubreiten. Wurzeln, die die fleischliche Hülle der Toten zu nutzen wussten. Aus den Wurzeln erwuchsen neue dornenbesetzte Ranken und bildeten eine natürliche Barriere gegen das Anrücken der Monster. Die Kraft des Magiers wurde für das Wachstum nicht mehr benötigt. Die Wurzeln verwandelten jede tote Lebensform in Energie. Obwohl dieser Zauber eine menschliche Armee hätte aufhalten können, würde er diese Angreifer nur verlangsamen, ihnen jedoch kostbare Minuten schenken.
      Viele waren zwischen dem Gasthaus und den anrückenden Höllenwesen wohl nicht mehr am Leben.