Blitzauktionen – warum macht man aus wichtigen Items überhaupt eine künstliche Rarität?
Ich spiele Metin2 seit über 15 jahren und habe grundsätzlich kein Problem damit, dass es einen Itemshop gibt. Ein Spiel muss Geld verdienen und natürlich darf Gameforge interessante Dinge verkaufen.
Was ich allerdings immer weniger nachvollziehen kann, ist die Art, wie gerade besonders begehrte und wertvolle Items verkauft werden.
Gameforge weiß doch ganz genau, welche Gegenstände für uns Spieler interessant sind. Man kennt die Nachfrage und weiß sehr genau, bei welchen Items die Leute aufmerksam werden. Eine Drachenzange+, ein Monsterjäger-Buch und ähnliche Dinge landen sicherlich nicht zufällig in solchen Aktionen.
Und genau deshalb frage ich mich:
Warum gibt es solche besonderen und begehrten Items nicht einfach dauerhaft im Itemshop zu kaufen?
Jeder kann irgendwann an den Punkt kommen, an dem er so einen Gegenstand braucht. Vielleicht brauche ich eine Drachenzange+ heute nicht, aber nächste Woche oder nächsten Monat.
Dann würde ich sie vielleicht sogar ganz normal kaufen.
Stattdessen muss ich darauf warten, dass Gameforge entscheidet, wann ich überhaupt die Gelegenheit dazu bekomme.
Und wenn es dann soweit ist, beginnt dieser ganze Zirkus:
Countdown, sinkender Preis, begrenzte Stückzahl.
Man könnte meinen, wir würden hier um irgendeine seltene Ware kämpfen.
Warum eigentlich diese künstliche Verknappung?
Wir reden hier nicht über 75 handgefertigte Schwerter, die irgendwo in einer Werkstatt hergestellt wurden. Wir reden über digitale Gegenstände.
Die Drachenzange+ ist nicht plötzlich ausverkauft, weil das Lager leer ist. Es fehlt kein Material. Kein LKW steckt im Stau. Und niemand bei Gameforge muss nachts noch 500 Drachenzangen zusammenschrauben.
Wenn dort 75 verfügbare Stück stehen, dann gibt es nicht nur 75 Stück.
Es wurde lediglich entschieden, dass nur 75 verkauft werden sollen.
Die Knappheit existiert also nur, weil der Anbieter beschlossen hat, dass sie existieren soll.
Und genau deshalb empfinde ich diese Art der Auktion nicht als besonderes Event, sondern als unnötigen psychologischen Verkaufsdruck.
Denn natürlich macht diese Kombination etwas mit einem:
Der Preis fällt – also möchte man warten.
Gleichzeitig läuft die Zeit ab und die verfügbare Stückzahl wird kleiner – also traut man sich irgendwann nicht mehr zu warten.
Und genau da soll der Spieler offenbar hin.
Nicht mehr in Ruhe überlegen:
„Ist mir das Item diesen Preis wert?“
Sondern:
„Wenn ich jetzt nicht kaufe, bekomme ich vielleicht gar keins.“
Und sorry, aber bei einem digitalen Gegenstand finde ich das einfach nur lächerlich.
Vor allem frage ich mich, ob Gameforge mit einer vernünftigeren Strategie am Ende nicht sogar mehr Umsatz machen würde.
Wenn bestimmte Items so begehrt sind, warum bietet man sie nicht dauerhaft an?
Ein Spieler braucht eine Drachenzange+? Dann geht er in den Itemshop und kauft sie.
Ein anderer braucht sie erst drei Wochen später? Dann kauft er sie eben drei Wochen später.
Wo wäre das Problem?
Man hätte ständig potenzielle Käufer, statt die Spieler darauf warten zu lassen, dass irgendwann wieder eine Auktion stattfindet.
Und vielleicht würden auch mehr Leute Drachenmünzen kaufen, wenn sie wüssten, dass sie bestimmte nützliche Dinge jederzeit bekommen können.
Gameforge weiß offensichtlich sehr genau, was für die Spieler wertvoll ist. Sonst würden genau solche Gegenstände nicht für Blitzauktionen ausgesucht.
Also warum nutzt man dieses Wissen nicht, um einen vernünftigen Itemshop anzubieten?
Natürlich muss Gameforge Geld verdienen. Das bestreitet niemand.
Aber ich finde, man kann Geld mit seinen Spielern verdienen, ohne ihnen gleichzeitig künstlich das Gefühl zu vermitteln, sie müssten jetzt sofort zuschlagen, weil ein beliebig vervielfältigbarer digitaler Gegenstand angeblich gleich vergriffen ist.
Vielleicht sollte man Spielern einfach wieder etwas mehr selbst überlassen:
Ich entscheide, was ich kaufen möchte.
Ich entscheide, was es mir wert ist.
Und vor allem entscheide ich, wann ich es brauche.
Wenn ein Item gut und begehrt ist, braucht es keinen künstlichen Mangel.
Dann verkauft es sich auch so.
Und genau deshalb bleibt für mich bei diesen Blitzauktionen eine ziemlich einfache Frage:
Geht es hier wirklich darum, Spielern besondere Angebote zu machen – oder hauptsächlich darum, mit Zeitdruck und künstlicher Knappheit dafür zu sorgen, dass sie schneller ihre Drachenmünzen ausgeben?
Denn knapp ist hier nicht die Drachenzange+.
Künstlich knapp gemacht wird nur die Gelegenheit, sie zu kaufen.